Nigeria: Neues SOS-Ausbildungsprojekt birgt großes Potential

Anthony Nwanze trägt als SOS-Programmkoordinator die Verantwortung für den Aufbau des neuen landwirtschaftlichen SOS-Ausbildungsprojekts in Owu Ijebu. Im Interview spricht er über die Chancen, die das Vorhaben der Jugend Nigerias eröffnet.

Anthony Nwanze mit Schülern der SOS-Hermann-Gmeiner-Schule Owu Ijebu.

Herr Nwanze, warum braucht es in Owu Ijebu überhaupt das neue landwirtschaftliche Ausbildungsprojekt, das die SOS-Kinderdörfer aktuell planen?

Owu Ijebu liegt in einer ländlichen Region Nigerias und traditionell betreiben die Menschen hier Ackerbau und Viehzucht. Das Problem ist: Viele rackern sich tagtäglich ab, arbeiten von früh bis spät, haben kaum Zeit für ihre Kinder – und trotzdem reichen die Erträge nicht aus, damit sie ihre Familien ernähren können. Gerade für Jugendliche, die auf der Suche nach Arbeit sind, ist es schwer: Sie sehen, dass man mit Arbeit in der Landwirtschaft nicht über die Runden kommt, aber alternative Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es hier kaum. Armut und Perspektivlosigkeit scheinen für sie vorprogrammiert zu sein. Es ist ein Teufelskreis.

Dieser Teufelskreis soll jetzt also durchbrochen werden. Aber wie genau soll das SOS-Ausbildungsprojekt die Landwirtschaft für junge Leute attraktiver und vor allem auch profitabler machen?

[lacht] Naja, eigentlich reicht ja allein die lange Wartezeit zwischen Aussaat und Ernte schon aus, um Jugendliche – ungeduldig wie sie oftmals sind – zu demotivieren! Aber Scherz beiseite: Wir wollen den jungen Männern und Frauen zeigen, dass die Arbeit in der Landwirtschaft attraktiv, profitabel und befriedigend sein kann. Vorausgesetzt, es kommen zeitgemäße Methoden zum Einsatz. Moderne Landwirtschaft ist doch heute weit mehr als Schuften auf dem Acker! Wir werden uns die ganze Wertschöpfungskette anschauen. Von der Produktion über Lagerung und Verpackung bis hin zu Vermarktung und Export. Wer am SOS-Agrarinstitut seine Ausbildung macht, kann später zum Beispiel auch sein eigenes kleines Geschäft eröffnen.

Gute Aussichten durch das landwirtschaftliche SOS-Ausbildungsprojekt in Owu Ijebu.

Gibt es noch weitere Voraussetzungen, die aus Ihrer Sicht wichtig sind, damit das Projekt erfolgreich wird?

Ja, die gibt es. Zum einen sind das die politischen Rahmenbedingungen, denn unsere Regierung fördert jetzt explizit die Landwirtschaft um ein Gegengewicht zum Ölexport zu schaffen. Dadurch wird es einfacher, interessante Kooperationspartner für unser Vorhaben zu finden. Als zweites möchte ich unsere günstig geografische Lage nennen. Mit Lagos, Ibadan und Benin City haben wir drei Millionenstädte in der Nähe, die wir als Absatzmärkte für unsere Produkte erschließen können. Und als drittes sehe ich es als großen Vorteil an, dass wir Ackerland nicht erst kaufen oder pachten müssen, denn wir haben ja schon 15 Hektar fruchtbares Land. Direkt vor der Haustür des SOS-Kinderdorfs! Das Land gehört seit jeher zum Grundstück des Kinderdorfs dazu, aber momentan nutzen wir nur einen kleinen Teil davon zum Gemüseanbau. Dieses Land, unser Schatz, wartet förmlich darauf, endlich genutzt zu werden!

Letzte Frage: Was wünschen Sie sich für das SOS-Ausbildungsprojekt?

Ich wünsche mir, dass das Projekt möglichst vielen Menschen dient: Den Kindern und Jugendlichen aus dem SOS-Kinderdorf und aus dem SOS-Familienhilfeprogramm, aber auch weiteren jungen Männern, Frauen und Familien aus der Nachbarschaft. Unsere ganze Gemeinde soll davon profitieren!