„Herausforderungen schrecken mich nicht“

Interview mit Cissé Adama, dem Leiter des Familienstärkungs-programms der SOS-Kinderdörfer in Abobo-Gare, Côte d’Ivoire.

Als Koordinator der SOS-Familienhilfe Abobo-Gare ist Cissé Adama verantwortlich für die geplante Ausweitung der SOS-Familienhilfe, von der künftig 250 Familien und ihre rund 1.000 Kind profitieren sollen. Im Interview berichtet Cissé Adama, welche Ziele er mit seiner Arbeit verfolgt und was ihn antreibt.

Herr Adama, Sie bezeichnen sich selbst scherzhaft als „SOS-Gewächs“. Warum?

Na, weil mein ganzes berufliches Leben mit SOS verknüpft ist! Ursprünglich habe ich Jura studiert, habe dann aber zur Sozialarbeit gewechselt. Im dritten Jahr meiner Ausbildung bin ich für ein sechsmonatiges Praktikum ins SOS-Kinderdorf Aboisso gekommen und habe während dieser Zeit meine Abschlussarbeit über die SOS-Familienhilfe geschrieben. Nachdem ich den Abschluss in der Tasche hatte, wollte ich gerne bei SOS bleiben, was zum Glück auch geklappt hat. Ich konnte als Sozialarbeiter bei der SOS-Familienhilfe Abobo-Gare anfangen. Und seit einem Jahr leite ich sie.

Was ist in Ihren Augen das Besondere an der SOS-Familienhilfe in Abobo-Gare?

Cissé Adama, Koordinator der SOS-Familienhilfe in Abobo-Gare, Côte d’Ivoire. Cissé Adama, Koordinator der SOS-Familienhilfe in Abobo-Gare, Côte d’Ivoire.

Wir beziehen die Eltern und auch die Kinder aktiv mit ein! Bei uns gibt es nicht einfach irgendwelche Hilfspakete und Hilfspläne nach Schema F. Wir setzen uns mit jeder einzelnen Familie zusammen und erarbeiten einen genauen Plan, wie wir ihre Situation verbessern können. Dabei muss jeder mithelfen und jeder hat auch seine Pflichten – wir von SOS, aber genauso die Familien.

Die Hilfe von SOS für die Familien ist so aufgebaut, dass es am Anfang mehr Hilfe-leistungen gibt. Dann wird die Unterstützung langsam weniger, je selbstständiger die Familien werden, bis sie schließlich auf eigenen Füßen stehen und unsere Unterstützung nicht mehr benötigen.

Sie sind tagtäglich mit schweren menschlichen Schicksalen konfrontiert. Wie schaffen Sie es, sich immer wieder aufs Neue zu motivieren?

Zu wissen, dass sich durch meine Arbeit das Schicksal von Kindern wenden kann, deren Zukunft absolut hoffnungslos und unumkehrbar schien, das ist der größte Ansporn für mich. Viele der Menschen, denen wir geholfen haben, treffe ich später auf dem Markt oder auf der Straße wieder. Sie freuen sich, mich zu sehen und erzählen, wie es ihnen jetzt geht. Diese Begegnungen machen mich unglaublich stolz und glücklich. 

Gibt es eine Geschichte, die Sie in letzter Zeit besonders beeindruckt hat?

Regelmäßig besucht Cissé Adama die Familien, die am SOS-Familienhilfeprogramm teilnehmen, zu Hause. Er hört ihnen zu und berät sie. Regelmäßig besucht Cissé Adama die Familien, die am SOS-Familienhilfeprogramm teilnehmen, zu Hause. Er hört ihnen zu und berät sie.

Besonders präsent ist mir momentan die Geschichte mit den Trinkwasserbrunnen, die dank der Unterstützung von SOS-Freunden aus Deutschland gebaut werden konnten. Man muss dazu wissen, dass der Zugang zu Trinkwasser ein großes Problem für die Menschen hier ist. Nicht nur, dass sie krank werden von dem verschmutzen Wasser, das sie aus Mangel an sauberem Wasser oftmals trinken. Es ist auch so, dass viele Eltern ihre Kinder mit dem täglichen Wasserholen beauftragen. Die Kinder müssen dafür zum Teil lange Wege zurücklegen, auf denen sie verschiedenen Gefahren ausgesetzt sind. Und sie gehen oft nicht zur Schule, weil ihnen dafür keine Zeit mehr bleibt.

Jetzt hat SOS direkt in den Gemeinden sechs neue Brunnen gebaut und ein faires System der Wasserverteilung eingerichtet. Die Menschen sind von einer großen Alltagslast befreit und können sich auf andere Dinge konzentrieren – auf die Schulbildung ihrer Kinder zum Beispiel.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir sehr, dass die Erweiterung der SOS-Familienhilfe wie geplant klappt. Außerdem hoffe ich, dass die Zusatzmaßnahmen, die wir geplant haben, also die Renovierung der Sanitäranlagen an öffentlichen Schulen oder der Bau von zwei neuen Schulbibliotheken, sich genauso positiv auf das Leben der Familien hier auswirken, wie es die neuen Trinkwasserbrunnen getan haben.