SOS-Kinderdorf Bissau in Guinea-Bissau

Ein sicherer Hafen für rechtlose Mädchen

Die Präsidialrepublik Guinea-Bissau mit 1,8 Millionen Einwohnern liegt in Westafrika und grenzt im Norden an den Senegal sowie im Süden und Osten an Guinea. Über 25 ethnische Gruppen leben im Land.
1998 brach nach einem Putschversuch gegen die amtierende Regierung ein Bürgerkrieg aus, in dem die Armee viele Menschenrechtsverletzungen beging. Im April 2012 kam es erneut zu einem Militärputsch. Die neue Regierung wird von wichtigen internationalen Partnern nicht als legitim angesehen. Guinea-Bissau zählt zu den ärmsten Ländern der Welt, wo die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ums nackte Überleben kämpft. Das Land ist zudem Umschlagplatz für lateinamerikanische Drogenkartelle und ihren Kokainschmuggel nach Europa.

Die größten Herausforderungen für das Land:

  • Etwa zwei Drittel der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, etwa jedes 5. Kind ist unterernährt.
  • Laut Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) von Transparency International belegte Guinea-Bissau im Jahr 2012 Platz 168 von 176 untersuchten Ländern.
  • Die Lebenserwartung liegt bei 50 Jahren.
  • Die Analphabetenrate liegt bei 40%, die Einschulungsquote ist mit 67% auch für afrikanische Verhältnisse sehr niedrig.
  • Fast die Hälfte aller Kinder zwischen fünf und vierzehn Jahren muss Kinderarbeit verrichten. Der Menschenhandel ist weit verbreitet.
  • 89 von 1.000 Kindern sterben noch bevor sie ein Alter von fünf Jahren erreicht haben.
  • Die Versorgung mit Trinkwasser und die Abwasserreinigung sind mangelhaft.
  • Schätzungen zufolge liegt die HIV/AIDS-Rate bei 3,6%. 110.000 Kinder haben dadurch ein oder beide Elternteile verloren. Auch Malaria, Tuberkulose und die Cholera breiten sich weiter aus.

    (Quellen: The World Factbook, Auswärtiges Amt)

SOS-Kinderdorf Bissau

SOS-Kinderdorf Bissau

Das erste SOS-Kinderdorf des Landes entstand 1994 in der Hauptstadt Bissau. Kinder, die sonst häufig Menschenhändlern zum Opfer fallen, finden hier Geborgenheit und Schutz. Die Gewalt gegen Frauen und Mädchen, einschließlich Zwangsverheiratungen und Kinderehen, ist in Guinea-Bissau weit verbreitet. Besonders Mädchen, die häufig zum Zweck der kommerziellen sexuellen Ausbeutung verschleppt werden, werden hier in ihrer Entwicklung ganzheitlich gefördert.

SOS-Kindergarten

Im SOS-Kindergarten, der dem SOS-Kinderdorf angeschlossen ist, wird eine der drei Gruppen nach den Montessori-Prinzipien (nach dem Motto „Hilf mir, es selbst zu tun“ werden Kinder je nach Begabung individuell gefördert und in ihrer Selbstständigkeit unterstützt) geleitet.

SOS-Jugendeinrichtung

Ab dem Alter von ca. 15 Jahren werden die SOS-Jugendlichen in der SOS-Jugendeinrichtung untergebracht. In den zwei Jugendhäusern wird ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit gefördert. Die Aufnahme in einem Jugendhaus bedeutet für die Jugendlichen einen wichtigen Schritt in Richtung Selbstständigkeit, wobei die SOS-Mütter, die Dorfleiter und Psychologen sie sorgfältig auf diesen Schritt vorbereiten.

SOS-Kinderdorf Bissau

SOS-Hermann-Gmeiner-Schule

In der SOS-Hermann-Gmeiner-Grundschule kommen 85% der Schülerinnen und Schüler aus der näheren Umgebung des Kinderdorfes. Die Schule legt großen Wert auf die Förderung der Kinder in ihren kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten. Eine gute Ausstattung mit Lehrmaterial, pädagogische Aktivitäten mit den Kindern und regelmäßige Informationsgespräche mit den Eltern bzw. SOS-Müttern tragen zum hohen Unterrichtsstandard bei. Für die Lehrerinnen veranstaltet SOS häufig Fortbildungsseminare, an denen auch Pädagogen anderer Schulen teilnehmen. Kinder mit Defiziten und Lernproblemen erhalten individuellen Nachhilfeunterricht.

SOS-Sozialzentrum mit Familienhilfe

Das SOS-Sozialzentrum Bissau bietet bedürftigen Familien Gesundheitsberatung, Ausbildungs-kurse, Beratung und psychologische Betreuung an und arbeitet mit den jeweiligen Gemeinden zusammen. Es umfasst zwei Büroräume für Sozialarbeiter, einen Mehrzweckraum, eine Bücherei, eine Erste-Hilfe-Station, drei Kursräume für Weiterbildungsveranstaltungen und einen Sportplatz. Ziel ist es, das Auseinanderbrechen von in Armut lebenden Familien zu verhindern.

SOS-Kinderdorf Bissau in Zahlen

  • 12 Familienhäuser für 120 Kinder
  • 1 Kindergarten für 150 Kinder, der auch der Nachbarschaft offen steht
  • 1 Jugendeinrichtung für über 100 Jugendliche
  • 1 Hermann-Gmeiner-Schule (Grund- und Sekundarstufe) für 1.140 SOS-Kinder und Kinder aus der Umgebung
  • 2 Sozialzentren mit Familienhilfe für über 2.000 Kinder und ihre bedürftigen Familien
  • 1 Berufsbildungszentrum für über 100 junge Menschen